Fast ein Märchen - Stausebach, ein kleines Dorf stellt sich vor

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Fast ein Märchen

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Fast ein Märchen, eine Geschichte von Norbert Gnau.

Es war einmal ein Dörfchen, das am Rande eines großen Waldes an einem kleinen Bach lag. In der Mitte des Ortes thronte eine Kirche mit großem Dach, um die sich die Gehöfte scharten, wie Kücken um eine Glucke. Die Menschen in dem Dorf lebten mit den vier Jahreszeiten, und von dem was Felder und  Wald hervorbrachten.

Eines Frühlingstages kamen Herren in den Ort, um mit dem Bürgermeister zu  sprechen, dieser ging zufällig des Weges und begrüßte die Fremden: „en schine goure Tog die Henn, wen siche se da?“  „Wir suchen den Bürgermeister, und möchten den Bauersleuten eine Maschine vorführen, die mähen kann.,“ antworteten die Herren. Der Bürgermeister hatte schon von den neuen Maschinen gehört, aber er konnte das alles nicht glauben. „Ei gern kinnse zou Ernte so wos de Bauern mol weise.“ So ging der Bürgermeister sinnend von dannen.

Das Getreide stand bereit zur Ernte, da erschienen die Herren mit einer Apparatur auf einem Wagen auf dem Hof des Bürgermeisters. Dieser beauftragte sofort den Orts-Diener mit der Schelle durch die Straße zu laufen, um die Ankunft der Maschine auszurufen. Mit lauter Stimme, so dass er in jedem Winkel zu hören war, rief er: “Houre Noochmettog wird of de bötz e moschine gewesse, de mihe kaan, alle Leure  sei engeloore.“ Gegen Mittag versammelten sich die meisten Männer aber auch einige Frauen aus dem  Dorf  am  Rande des Feldes. Sie flüsterten unter einander:“ nit se glewe, soll so schnell miehe we Zeh Mannsleure.“ Ein langer  Arm ragte seitlich aus dem Gerät, Pferde wurden vorgespannt und während diese vorwärts zogen, neigte sich der Arm zu den Halmen, diese fielen in langen Reihen  auf den Boden. Ungläubig staunend verfolgten  die Zuschauer die Vorführung. Eine Frau schlug vor:“ Jetzt kinn die Männer je beim Offhewe en Benne gehelfe.“ Verlegen blickten die Männer zu der kleinen Frauengruppe, packten aber sofort  mit den Frauen  bei  den Arbeiten an, so dass am Abend mit Hilfe der neuen Maschine die Heucheln des Feldes in geraten Reihen aufgerichtet waren.

Der Bürgermeister erkundigte sich nach dem Preis der Maschine:“woos kostse da?, wie kinn mrse da bezohnn;“ Es sei überhaupt  kein Problem, „ wir schicken einen Herren aus der Stadt vorbei, der wird sie in den Geldangelegenheiten beraten.“ Verabschiedeten  sich die Herren.
Im Wohnzimmer seines Hauses richtete der Bürgermeister einen  Schrank ein, um das Geld der Bauern zu  verwalten. Der Gemeinderechner passte auf, dass alles seinen gerechten Gang nahm. Schon einige Jahre später gab es eine Maschine, die mähen und binden konnte, sowie für den ganzen Ort eine Dreschmaschine mit Dampfantrieb. Sensen und Dreschflegel hingen in den Scheunen, alle waren stolz auf die Maschinen. Drähte wurden über Felder in das Dorf gezogen, elektrischer Strom kam in jedes Haus, manche Menschen fürchteten sich vor dieser unheimlichen neuen Energie, die so vieles konnte. „dos git bestimmt met dem Teufil zu“  wussten  einige zu berichten.

Männer, die nicht mehr als  Knecht oder Handwerker gebraucht wurden, verließen den Ort, um dort zu arbeiten, wo die Maschinen gebaut wurden. Handwerksberufe und ihre Werkstätten wurden nicht mehr gebraucht, neue Berufe mussten gelernt werden.
Wasser für Mensch und Tier mühevoll herbeigeschafft lief nun in Rohren zu Ställen und Wohnungen. Wohnhäuser, Maschinenschuppen wuchsen um die Höfe, Obstbäume und Hecken mussten weichen, der Bach des Dorfes wurde in die Erde gezwängt. Das alte Pflaster und das Backhaus standen den neuen Maschinen im weg. Die Leute des Ortes freuten sich über die vielen Modernisierungen, die alten Menschen waren ein wenig traurig, da manche Scheune und Stall sich leerte, und ihre Kinder die Höfe nicht weiter führen wollten.  Landwirte kamen mit riesigen Maschinen von anderen Dörfern, um die Felder ab zu ernten. Bürgermeister, Schule, Läden, Gaststätten, Bank zogen in die nahe Stadt.

Fremde nahmen sich den Höfen an und füllten  sie wieder mit leben.“ Frähher  wor doch mie Zeit do, en die Leure won meeit vom Arbeiten, houre winn se nami schlofe für laute Arbeit, wu doch alles vil leichter is,“ sagten einige Bewohner des Dorfes.
So leben die Einwohner des Dorfes  mit der Neuen Modernen Zeit, und wenn sie nicht gestorben  sind, so leben sie  noch heut.


Getreide Garben
 
 
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